Bericht: meine Auswanderung per Rad

+++ frei wie ein Vogel +++ mit dem Rad unterwegs +++


2014 bin ich tatsächlich mit dem Rad aus meinem ehemaligen Bundesland NRW mit unbekanntem Ziel, nur sieben Taschen Gepäck dabei, ausgewandert. Es wurde alles aufgelöst, wenige Möbel beim Bauern gelagert, der Wohnsitz abgemeldet und einfach losgeradelt. 


Meine Überlegung war, dass ich solange unterwegs bleiben wollte, bis mich ein schöner Ort fesseln und zum Bleiben bewegen würde. Klar war lediglich, dass ich über kürzere Distanzen zu einer guten Schwimmmöglichkeit in der Natur verfügen wollte, z.B. einen See und eine feine Radlerregion suchte. Dafür wollte ich mich mit dem Rad sozusagen treiben lassen. Ich schloss gar nichts aus. Auch keine Zukunft im Ausland. 


Zum einen war ich es damals leid, zum nächsten Baggersee für Schwimmer ständig 98 km am Tag radeln zu müssen. Das war damals der Badesee in Petershagen-Lahde. Öfter passierte es mir, dass ich bei schönem Wetter losradelte und es genau dann anfing zu regnen, wenn ich am Badesee eintraf. Ansonsten fand ich die Region zum Radfahren wirklich schön und empfehle ihn unbedingt. Ich startete oft am Fluss Else, der in die Werre mündet, die wiederum in die Weser mündet. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica war damals wie ein Leuchtturm für mich. Zum anderen wohnte ich alleine zu groß und musste mich so oder so kleiner setzen. 


Um die Ecke praktisch einen eigenen Naturstrand haben, an dem man in der schönen Jahreszeit morgens alleine ausgedehnt und gut schwimmen kann - öfter unter den Augen der Seeadler, das war für mich nicht zu toppen. Dazu den Bahnhof um die Ecke und sämtliche Infrastruktur und Einkaufsmöglichkeiten auch fußläufig erreichbar. Sylt und alle Highlights des Nordens inklusiv. Beste Nachtzugverbindungen in den Süden. Mal endlich 30 km am Stück radeln zu können ohne abzusteigen. Ein Genuss, den ich vorher nicht kannte. Verstärkt wurde alles noch, weil ich Anfang der Nullerjahre einen Traum hatte, der mich sehr bewegt hatte. Ich traf meine Schwester am Bahnhof. Wir vereinbarten, mit getrennten Zügen nach "Freia" in Italien zu fahren und uns dort wiederzutreffen. Als ich erwachte, wurde mir bewusst, dass meine Schwester nun schon mehre Jahre tot war. Sie war jung und plötzlich gestorben. War der Tod ihre Reise nach Freia, freier leben, in die Freiheit und ich, die lebenslang einen großen Freiheitsdrang verspürte, wollte einen anderen Zug nehmen? Der Traum und die Gedanken danach ließen mich nie wieder los. Hier in Schleswig gibt es ein großes Denkmal für die Germanengöttin Freia. Im Leben soll es angeblich keine Zufälle geben. So begründete ich hier einen neuen Wohnsitz und habe ich auch heute - nach 8 Jahren - nicht einen Tag bereut. Die Gegend ist das Paradies. Ich bin so abgehärtet, dass ich auch ganzjährig in der Ostsee und auf Sylt bade. Am liebsten aber im Noor von Haithabu ganz früh am Morgen. 


Auch die Göttin Freia war sehr mobil. Sie hatte einen Katzenwagen und ein Falkengewand, mit dem sie selbst fliegen konnte. Mir reichen Rad und Bahn. 


Ich lebe also heute wirklich von einem modernen Wasserschloss aus meinen Traum!    Das Wasserschloss liegt mitten in einer Marina, dem Wikinghafen, der Hafen, in dem ich angekommen bin.   


Erfolgreich per Rad ausgewandert. Hier geht es zum Bericht in der Neuen Westfälischen



Extratipp für Radreisende: Schleswig an der Schlei in Schleswig-Holstein: Ostseebad Eckernförde 19 km, Husum an der Nordsee 35 km, Dänemark ca. 40 km, Hamburger Hallig, Sylt, endlos am Wasser radeln, idyllisches Radlerparadies Ostseearm Schlei. Schleswig verfügt über einen Bahnhof mit tollen Verbindungen in alle Richtungen und ist nicht nur Deutschlands Wikingerstadt, sondern auch kulturelle Schatzkammer des Nordens. Von hier kommen die russischen Zaren (Schloss Gottorf). Wer im Wasser wohnen will, kann ein Hausboot mieten oder mietet z.B. eine Ferienwohnung im Wikingturm. Vor dem Turm befindet sich ein offener Gemeinschaftsgarten, wo man sich trifft.